Ankunftsliteratur

Mit dem Mauerbau in den 60er Jahren galt der Aufbau eines sozialistischen Staates als abgeschlossen. In der DDR Literatur kommt nun die Ankunftsliteratur, die sich mit der Auseinandersetzung und Einrichtung des Helden mit seinem Leben in der sozialistischen Realität der DDR beschäftigt. Beliebte Charakteristika dieser Zeit der DDR Literatur sind ein rebellischer Held, der in Konflikt mit der Gesellschaft tritt und ein Problemfall in der Erziehung zu einer sozialen Persönlichkeitsentwicklung darstellt. Erst mit Mauerbau besinnt sich der Held auf sein sozialistisches Erbe und findet sich nah einigen Hindernissen schließlich doch in der zu Anfang in Frage gestellten Gesellschaft ein.

Autoren: Christa Wolf, Wolf Biermann, Günter Kunert, Sarah Kirsch

Liberalisierung und Untergrundliteratur

Die 70er Jahre sind nach dem Machtswechsel von Walter Ulbricht zu Erich Honecker anfangs durch eine Phase der Liberalisierung der DDR Literatur gekennzeichnet: Eine kritische Auseinandersetzung mit der Regierung der SED und der DDR wurden wieder möglich. Diese Phase der DDR Literatur fand jedoch ein jähes Ende, als Wolf Biermann 1976 nach einem Auftritt in Westdeutschland die Rückreise in die DDR verweigert wurde. Über 70 Schrifsteller der DDR Literatur portestierten gegen Biermanns Ausweisung, worauf die SED mit harten Sanktionen wie Repressionen, Hausarrest du Publikationsverbot reagierte. Infolgedessen verließen über 100 Schriftsteller die DDR.
Die Autoren der DDR Literatur die blieben, gingen zum großen Teil in den Untergrund. Die Untergrundliteratur bildete sich als subversive Gruppe in Wiederstand gegen die DDR Literatur, die noch regimegetreu agierte. Sie schrieben gegen die SED und die staatlichen Sanktionen an, bewusst in einer kodierten Sprache, die die Staatssicherheit nicht verstehen konnte.

Autoren: Stefan Döring, Uwe Kolbe, Detlef Opitz, Ulrich Ziegler

Was geschah dann?

Nach der Wende bei der die DDR 1990 in die BRD eingegliedert wurde, wurde sich weiter mit der DDR Literatur und der DDR Realität auseinandergesetzt. Sowohl in die literaturwissenschaftliche Forschung, als auch in die Belletristik sind die unterschiedlichen Ansätze der DDR Literatur eingeflossen. Schriftsteller wie Thomas Brüssig, Autor von Bestsellern wie Helden wie wir oder Am kürzeren Ende der Sonnenallee, und Sven Regner, Autor der Bestsellerreihe um seinen Helden Herrn Lehmann, setzten sich nach 1990 noch mit der deutsch-deutschen Vergangenheit auseinander, wobei sie die DDR Literatur, im weitesten Sinne, um ein humoristisches Moment bereicherten.

Autoren: Sven Regner, Thomas Brüssig, Jens Sparschuh

Wolf Biermann

„Menschlich fühl ich mich verbunden mit den armen Stasi-Hunden, die bei Schnee und Regengüssen mühsam auf mich achten müssen“
(aus Die Stasi-Ballade)

Eines der aufregendsten Leben der Schriftsteller aus der DDR Literatur hatte sicherlich Wolf Biermann. Geboren am 15. November 1936 in Hamburg, siedelte der deutsche Liedermacher und Lyriker bereits 1953, mit siebzehn Jahren, in die DDR über. Biermann begann dort sein Studium an der Humboldt Universität zu Berlin zuerst in Politischer Ökonomie, anschließend wechselte er allerdings zu Philosophie und Mathematik. 1963 schloss Wolf Biermann sein Philosophiestudium mit einem erfolgreichen Diplom ab, das ihm allerdings auf politischen Gründen nicht ausgehändigt wurde. Ab 1960 begann Biermann Lieder zu schreiben und öffentlich zu singen. 1963 erhielt der Liedermacher Biermann sein erstes kurzweiliges Auftrittsverbot, dem sollten in seiner Karriere in der DDR Literatur noch viele weitere folgen. 1964 hatte Biermann seinen ersten Auftritt in der BRD, von dem es eine Aufnahme gibt, die auf LP gepresst wurde und als sein erstes BRD Album gelten kann. Im selben Jahr brachte Biermann seinen ersten Lyrikband Die Drahtharfe heraus und erhielt erneut ein totales Auftrittsverbot von der SED. Die Staatssicherheit nahm ihn immer mehr als einen entscheidenden Störfaktor in der DDR Literatur war, und so wurde ein 20-Punkte-Plan entwickelt zur Zersetzung der Person Biermann. 1968 erschien sein erstes offizielles Album in der BRD, das Biermann mit geschmuggeltem Tonbandgerät und Mirko heimlich in seiner Wohnung aufnahm. Ein Jahr später erhielt er für eben dieses Album den Fontane-Preis, den er bei der Verleihung der APO widmete, was in dieser Zeit einem Affront gleichkam. 1976 wurde Biermann zu einer Konzertreihe in der BRD eingeladen, die die IG-Metall organisierte und erhielt dafür auch eine Reiseerlaubnis von den DDR Behörden. Das erste Konzert dieser Reihe fand in der Kölner Sporthalle statt. Biermann kritisierte wie bereits einige Male zuvor SED und Stasi, dieses Konzert nahmen jene schließlich als Ausbürgerungsgrund. Sie verweigerten Biermann die Rückreise in die DDR. Die Schriftsteller der DDR Literatur reagierten empört und protestierten gegen Biermanns Ausweisung. Diese Proteste gegen die SED führten allerdings nur dazu, dass Hausarreste, Publikationsverbote und andere Repressionen ausgesprochen wurden. Infolgedessen verließen etwa 100 Schriftsteller der DDR Literatur den Staat in Richtung Westdeutschland. Biermann setzte seine Karriere in der BRD und auch im vereinigten Deutschland fort, er übte weiterhin immer wieder Kritik am sozialistischen Staat, obwohl Biermann sich ursprünglich mal zum wahren Sozialismus bekannt hatte.
Heute lebt und schreibt Wolf Biermann wieder in Hamburg.

ADN-ZB/Grubitzsch/1.12.89/ Leipzig: Biermann-Konzert/ Der Liedermacher, der nach jahrelangen Auftrittsverboten 1976 während einer BRD-Tournee ausgebürgert worden war, trat zum erstenmal wieder in der DDR auf. In der Messehalle 2 wurde er von den etwa 5.000 Besuchern mit einem Beifallsorkan empfangen. (siehe auch 47N)

Preise/ Ehrungen:
1969 Fontae-Preis
1991 Georg-Büchner-Preis, Mörike-Preis
1993 Heinrich-Heine-Preis
2006 Joachim-Ringelnatz-Preis für Lyrik, Großes Bundesverdienstkreuz
2007 Ehrenbürger der Stadt Berlin
2008 Ehrendoktor an der Humboldt Universität zu Berlin

Heiner Müller

“Die Funktion von Kunst besteht […] darin, die Wirklichkeit unmöglich zu machen.”
(aus Irrtümer)

Heiner Müller gilt als der bekannteste Dramatiker der DDR Literatur. Neben seiner Tätigkeit als Dramatiker schrieb er allerdings auch Lyrik, Prosa und theoretische Texte. Heiner Müller war Regisseur, Intendant und Präsident der Akademie der Künste in Berlin (Ost). Geboren am 9. Januar 1929 in Eppendorf (Sachsen), wurde er bereits 1954 Mitglied im DSV, im Deutschen Schriftstellerverband, der ausschließlich für Autoren der DDR Literatur ins Leben gerufen worden war. Heiner Müller arbeitete an diversen DDR Zeitschriften wie der FDJ Zeitschrift Junge Kunst mit, war aber auch am Maxim-Gorki-Theater in Berlin tätig. Als sein Stück Die Umsiedlerin direkt nach der Uraufführung abgesetzt und verboten wurde, schloss man Heiner Müller ebenfalls aus dem DSV aus. Anschließend wurden Heiner Müllers Stücke nur noch im Ausland, wie den USA oder eben auch Westdeutschland, uraufgeführt. Nachdem er 1988 schließlich Mitglied der Akademie der Künste in Berlin (Ost) wurde, nahm man ihn auch wieder im DSV auf. Seit 1988 arbeitete Heiner Müller erstmals als Regisseur, 1990 integrierte er sein Stück Hamletmaschine in eine mehrstündige Hamletinszenierung mit Ulrich Mühe in der Hauptrolle. Gemeinsam mit Peter Zadek, Matthias Langhoff und anderen übernahm er 1992 das Berliner Ensemble. Seine letzte Inszenierung ist das Brechtstück Arturo Ui, das seit 1995 dem Todesjahr des Autors bis heute noch im gleichen Theater läuft, mittlerweile hat es über 350 Aufführungen gegeben. Am 30. Dezember 1995 verstarb der Autor, Dramatiker, Intendant und Regisseur Heiner Müller schließlich in Berlin an Krebs.

ADN-ZB Link 4.11.89 Berlin: Demonstration<br />
500.000 Bürger beteiligten sich an einer Demonstration für den Inhalt der Artikel 27 und 28 der Verfassung der DDR. Auf dem anschließenden Meeting auf dem Alexanderplatz ergriff auch der Dramatiker Heiner Müller das Wort.

Preise/Ehrungen:
1959 Heinrich-Mann-Preis (DDR)
1975 Lessing-Preis der DDR
1985 Georg-Büchner-Preis
1986 Nationalpreis erster Klasse für Kunst und Kultur (DDR)
1990 Kleist-Preis